Sheet music

Ein musikalischer Beitrag - März 2013

„Ertöt uns durch Dein’ Güte“ (J.S.Bach, 1685-1750) - Am 7. Febr. 1723 hält J.S. Bach eine Audition in der Thomaskirche in Leipzig. Speziell für diese Gelegenheit komponierte er Kantate 22 „Jesus nahm zu sich die Zwölfe“ – anlässlich des Schriftteils aus Lukas 18: 31-34. Hier steht die letzte Ankündigung des Leidens im Mittelpunkt. Die Kantate schließt mit einem Choral für Chor und Orchester: Ertöt uns durch Dein’ Güte.

Darin wird die Bitte formuliert: Lass unseren alten Menschen sterben, den neuen Menschen in uns leben und lass alles in uns auf Euch ausgerichtet sein. Die Melodie ist „Herr Christ, der ein’ge Gottes Sohn“.

Dieser Schlussteil ist unseren musikalischen Beitrag dieses Monats. 1746 erschien ein Bündel mit sechs Choralbearbeitungen aus Kantaten, durch den Großmeister selbst für die Orgel bearbeitet. Es sind hauptsächlich Trios, in denen eine Stimme mit Unterbrechungen die Melodie erklingen lässt, während die anderen Stimmen selbstständig ihren Weg gehen.

Auch unsere Bearbeitung ist ein Trio. Die Melodie lässt sich mit Unterbrechungen hören, und die anderen zwei Stimmen gehen selbstständig ihren Weg. Die laufende Basis ist eine Darstellung der Reise nach Jerusalem und die Umspielung das Verlangen, sich ganz und gar auf Christus zu konzentrieren, so las ich irgendwo.
Angesichts des Textes habe ich mich für ein ruhiges Tempo und ein sanftes Register entschieden. Die Bewegung mit nur einer einzigen Flöte 8’, der Bassteil (hier für die linke Hand geschrieben) mit 16’ und 8’ und einem Prinzipal 4’ im Pedal.

Es ist auch gut möglich, dieses Trio als Adventschoral unter dem Titel „Herr Christ, der ein’ge Gottes Sohn“ zu spielen. Dies verleiht ihm angesichts des Textes einen glanzreicheren Charakter. In diesem Choral wird der Heiland nämlich mit einem „Morgenstern“ verglichen.

Übrigens, Bach bekam im Mai 1723 seine Anstellung in Leipzig. Wie könnte es mit einer solch prächtigen Kompensation auch anders sein.

Herzlicher Gruß,


André van Vliet